ICCS: Enuresis und Schlafmuster
Liebes Experten-Team,
beim ICCS (International Children's Continence Society)-Meeting in Hongkong (30.11-2.12. 2007) wurden drei neue Studien präsentiert, in denen Messungen der Kommunikation zwischen Gehirn und Blase durchgeführt wurden. Die Untersuchungen von Prof. C K Yeung (Präsident der ICCS) an 264 Kindern zeigten, dass bettnässende Kinder unter Schlaf-Wachstörungen leiden und sich kognitive Eigenschaften aufgrund dessen nicht so gut entwickeln können.
Elisabeth Leeb
Obfrau Club Mondkind
Bettnässen wurde lange Zeit mit Tiefschlaf in Verbindung gebracht, doch die Untersuchungen von Yeung widerlegen diese Annahme. In der ersten Studie (1) wurden die Schlafmuster von bettnässenden Kindern mit nicht bettnässenden verglichen. Die Kinder wurden über Nacht mithilfe einer Schlafpolysomnographie und kontinuierlicher Blasenkontrolle überwacht. Die Ergebnisse legen nahe, dass bettnässende Kinder im Vergleich zu nicht bettnässenden Kindern eine geringere Schlafqualität haben. Tiefschlaf trat bei bettnässenden Kindern signifikant weniger häufig, leichter Schlaf häufiger auf. Enuretiker werden von häufiger Blasentätigkeit geweckt und leiden daher unter gestörtem und oberflächlichem Schlaf, unter Schlafunterbrechungen und Schlafmangel. Paradoxerweise haben sie eine höhere Weckschwelle, sodass sie schwieriger zu wecken sind.
In der zweiten Studie (2) wurde untersucht, ob Bettnässer im Vergleich zu nachts trockenen Kindern unter Funktionsstörungen des ZNS litten. Die Tests wurden bei den Kindern anhand der Stammhirnfunktion bzw. der Präpulsinhibition (PPI) des Schreckreflexes durchgeführt. Dabei wurde die reflexartige Reaktion auf einen starken Reiz (Harndrang) von einem schwächeren Reiz (Signal des Gehirns an die Blase, sich nicht zu entleeren) zurückgehalten. Die Ergebnisse zeigten, dass bettnässende Kinder im Vergleich zu nicht bettnässenden unter Störungen der Stammhirnfunktion leiden, was sich in einer gestörten Präpuls-Inhibition (PPI) niederschlägt. Untersuchungen anhand der P300-Latenz ereigniskorrelierter Potenziale (ERP) zeigten, dass bettnässende Kinder eine größere Wahrnehmungsverzögerung aufweisen.
In der dritten Studie (3) wurde die kognitive Leistungsfähigkeit untersucht. Mithilfe vier unterschiedlicher Tests wurden die Intelligenz, Aufmerksamkeit und Ablenkbarkeit, das Kurz- und Langzeitgedächtnis, die Lern- und Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie die Reaktionen der Kinder ausgewertet. Bettnässende Kinder schnitten bei diesen Tests schlechter ab als nicht bettnässende.
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1 Yeung C K et al. Increased cortical arousal and light sleep in children with severe bedwetting: Evidences of a bladder-brain dialogue. To be published in New England Journal of Medicine (NEJM)
2 Yeung C K. Bladder dysfunction, sleep disturbances and CNS function impairment in children with severe nocturnal enuresis: Evidences of a "bladder-brain dialogue". To be published.
3 Yeung C K et al.Data presented at the ICCS course and International Enuresis Symposium, Hong Kong. November 30 - December 2, 2007. To be published.
- . Elisabeth Leeb
PLZ: 3412
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