Nächtliche Harnflut bei Erwachsenen: heimliches und unterschätztes Leiden

Kaum jemand redet darüber, doch viele Österreicher – junge und alte – leben damit und leiden darunter. Von nächtlicher Harnflut (med. nächtliche Polyurie) spricht man, wenn die Harnausscheidung in der Nacht mehr als ein Drittel der 24-Stunden-Harnmenge beträgt. Je nach Ausprägung treibt Harndrang Betroffene entweder mehrmals in der Nacht auf die Toilette oder lässt die Blase im Schlaf übergehen. Im Wesentlichen verbergen sich hinter dem Begriff drei Krankheitsbilder: Diabetes insipidus (Wasserharnruhr), Bettnässen und vermehrtes nächtliches Wasserlassen (Nykturie). Bei Diabetes insipidus ist die Niere nicht in der Lage Harn zu konzentrieren, weshalb der Körper (ohne Behandlung) bis zu 20 Liter pro Tag wieder ausscheidet. Die wesentliche Unterscheidung zwischen Bettnässen und Nykturie ist, dass Bettnässer aufgrund einer verminderten Wahrnehmung des Miktionsreizes („arousal deficit“) den Harndrang nicht spüren, somit nicht aufwachen und im Schlaf einnässen. Nykturie-Patienten wachen nachts zweimal oder noch öfter auf, um auf die Toilette zu gehen. Bei allen drei Krankheitsbildern gilt es, durch exakte Diagnose der Ursache auf den Grund zu gehen und andere Erkrankungen auszuschließen.

 

Trotzdem ausgezeichnete und rasche Hilfe möglich ist, werden kaum 15% aller Betroffenen adäquat therapiert. Schweigen, Abwarten und Experimente machen das Problem nur noch größer, denn Leidensdruck und Folgen für die physische und psychische Gesundheit nehmen immer weiter zu. Auswirkungen von unbehandelter Harnflut können sein: massiver Leidensdruck, empfindliche Störung der Nachtruhe, vermindertes Selbstwertgefühl, sozialer Rückzug, nächtliche Unfälle durch Stürze, Sexualstörungen etc.

 

Rasche Hilfe ist in den meisten Fällen möglich!