Für Eltern und Kinder
Der Club Mondkind
Club Mondkind bietet beim "Problem Bettnässen" bestmögliche Unterstützung für alle betroffenen Kinder und deren Eltern an.
Wir
- sind die Anlaufstelle zwischen Ärzten, Patienten und betroffenen Familien,
- stellen Kontakt zu Spezialambulanzen und Fachärzten her,
- kommunizieren mit Betroffenen,
- und versorgen Eltern mit allen notwendigen Informationen
"Ein klares Nein zur Tabuisierung!" Allein in Österreich leiden rund 60.000 Kinder unter nächtlichem Einnässen – und ihre Familien mit ihnen.
Interview mit dem Psychologen Mag. Christian Zniva Krankenhaus Barmherzige Schwestern, Linz
Bettnässen ist ein Problem, das Kinder und auch Eltern enorm belastet. Warum wird trotzdem in vielen Familien nicht darüber gesprochen und so selten etwas dagegen unternommen – obwohl rasche Hilfe möglich ist? Zniva: Oft bestehen bei Kindern und ihren Eltern Scham- und Schuldgefühle. Es kann auch die Idee vorhanden sein, dass das Einnässen ein Problem ist, dass man als Familie alleine in den Griff bekommen muss und man von medizinischer oder psychologischer Seite ohnehin keine Hilfe erwarten kann. Oft sind auch Vorstellungen bei den Eltern da, dass mit der Zeit sich das Problem von alleine löst, was jedoch nicht immer der Fall ist. Bis wann sollten Kinder trocken sein und warum? Zniva: Kinder sollten ungefähr nach Vollendung des 5. Lebensjahres trocken sein. Um die Diagnose Enuresis stellen zu können, sollte das geistige Intelligenzalter nicht unter 4 Jahren liegen. Mit zunehmendem Alter kann die Enuresis zu einem reduzierten Selbstwertgefühl führen. Entscheidend bezüglich der Entscheidung zu einer Therapie ist für mich der subjektive Leidensdruck in der Familie. Viele halten Bettnässen noch für ein psychisches Problem. Ist das tatsächlich so? Zniva: Bettnässen als psychisches Problem zu bezeichnen wäre eine zu allgemeine Beschreibung und wird der Vielseitigkeit der Thematik nicht gerecht. Die psychosoziale Belastung für die Kinder wird größer, je älter die Kinder werden und länger nichts gegen das Einnässen unternommen wird. Kann man sagen, dass psychische Probleme eher Folge als Ursache von (unbehandelter) Enuresis sind? Zniva: Generell kann man sagen, dass eine psychische Verursachung des Einnässens eher die Ausnahme darstellt. Um genauer zu differenzieren müsste man jedoch auf die unterschiedlichen Arten des Einnässens am Tag und des Bettnässens eingehen.
Prinzipiell teile ich die mögliche Verbindung zwischen Einnässen und Psyche in drei Kategorien ein: 1. Eine psychische Mitverursachung des Einnässens wird vermutet (oft bei sekundärer Symptomatik nach längerer Trockenphase) Beispiel: Wiederbeginn des Einnässens bei Schulbeginn oder bei Geburt eines Geschwisterchens 2. Elterliches Verhalten trägt wesentlich zur Aufrechterhaltung der Einnässsymptomatik bei Beispiel: Aufmerksamkeitszuwendung bei Einnässen, Problem-Fokussierung 3. Einnässen selbst verursacht einen Leidensdruck in der Familie Beispiel: Schuld- oder Schamgefühle bei Kind und Eltern In allen drei Fällen ist eine klinisch-psychologische Beratung zu empfehlen. Kinder schämen sich über das Einnässen zu sprechen. Wie sollte das Problem innerhalb und außerhalb der Familie besprochen werden? Zniva: Das Thema sollte von den Eltern nicht als Tabuthema behandelt werden. Das Einnässen sollte in der Familie als etwas thematisiert werden, an dem niemand Schuld hat. Wichtig ist auch dem Kind zu vermitteln, dass es selbst zu einer Reduktion des Einnässens beitragen kann (z.B. durch Befolgen der Verhaltensempfehlungen). Kinder sollten auch motiviert werden mit engen Vertrauensperson außerhalb der Familie, zum Beispiel mit sehr guten Freunden, über das Thema zu sprechen. Das ermöglicht dann auch die Übernachtung bei Freunden und andere Aktivitäten, an denen die Kinder gerne teilnehmen wollen. Strafe oder Belohnung. Was hilft? Zniva: Ich plädiere dafür erwünschte Verhaltensweisen, also die möglichen Eigenbeiträge des Kindes, zu belohnen. Dazu können die Flüssigkeitsreduktion am Abend sowie die Doppelmiktion vor dem Schlafengehen gehören. Das Einhalten der Empfehlungen sollte von den Eltern täglich belohnt werden. Auch eine halbe Stunde Zeit, in der sich das Kind eine Betätigung mit einem Elternteil aussuchen kann, kann eine adäquate Belohnung sein. Trockenheit sollte erst belohnt werden, wenn das Kind erste diesbezügliche Erfolge hat. Sonst kann dies zu einem Frustrationserleben beim Kind führen. Strafen verstärken den Druck auf das Kind und bringen zumeist nicht das gewünschte Ergebnis. Für die Therapie braucht man Geduld, da es einige Wochen dauert, bis die Kinder trocken werden. Welche Tipps gibt es, um die Kinder zum Durchhalten der Therapie zu motivieren bzw. welche Maßnahmen unterstützen eine Therapie? Zniva: Ich empfehle Eltern und Kind die Verhaltensempfehlungen auf einem Plakat aufzuzeichnen und möglicherweise kreativ zu gestalten. Dies ermöglicht dem Kind auch einen guten Überblick welche Beiträge zum Trockenwerden es leisten kann. Dieses Plakat sollte an einem Ort platziert werden, an dem das Kind jeden Tag vorbei kommt. Es bietet sich beispielsweise die Innenseite des Kleiderschranks an. Weiters können tägliche Belohnungen, Sonnenkalender für trockene Tage und Lob motivieren.
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