So funktioniert die gesunde Blasenentleerung

Bei einer normalen Blasenfunktion kann die Blase ohne frühzeitigen Harndrang bei jeglicher Blasenfüllung kontrolliert und komplett entleert werden. Beim Neugeborenen ist die Blasenentleerung (med. Miktion) automatisiert, d.h. sie läuft unbewusst und ungehemmt ab. Durch den zum Rückenmark weitergeleiteten Reiz der vollen Blase werden von diesem zwei Meldungen abgegeben: eine zur Blase, die sich zusammenzieht, und eine zum Schließmuskel, der sich entspannt und damit eine ungehemmte Blasenentleerung ermöglicht.

Etwa ab dem 6. Lebensmonat vergrößert sich die Blase bzw. das Blasenvolumen was dazu führt, dass die Blase weniger häufig entleert werden muss. Um das 2. Lebensjahr entwickelt sich das Wahrnehmungsgefühl für die volle Blase und das Gefühl des Harndrangs. Mit etwa vier Jahren kann das Kind die Blasenentleerung willkürlich hinauszögern, einleiten oder unterbrechen. Zusätzlich wird nachts ein Botenstoff der Hirnanhangsdrüse (med. antidiuretisches Hormon, ADH) in die Blutbahn abgegeben, der eine Reduktion der nächtlichen Harnproduktion bewirkt. Somit sind fast 90% aller Kinder bis zum vollendeten 5. Lebensjahr tagsüber und nachts trocken und haben willkürliche Kontrolle über die Blasenfunktion. 

Univ.-Prof. Dr. Christian Radmayr, FEAPU
Leiter der Abteilung für Kinderurologie an der Medizinischen Universitätsklinik Innsbruck
(http://www.kinderurologie.at/)
Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Club Mondkind

Literatur beim Verfasser