Diagnose tut nicht weh

Bis zum vollendeten 5. Lebensjahr wird Einnässen noch als absolut normal angesehen. Danach sollte beim spezialisierten Facharzt oder in einer entsprechenden Ambulanz abgeklärt werden. Adressen aller österreichischen Experten Die Diagnostik erfolgt anhand einer Stufendiagnostik und beginnt mit der Basisdiagnostik, die unbedingt bei jedem Kind durchgeführt werden muss und absolut schmerzfrei ist. Falls erforderlich, kommt es danach noch zu einer weiterführenden Diagnostik.

Basisdiagnostik

 

1. Anamnese
Wichtige Inhalte des ausführlichen Gespräches mit dem Arzt/der Ärztin sind: Häufigkeit, Menge und Zeitpunkt des Einnässens, Nykturie (mehrmaliges Aufwachen wegen Harndrang) und eventuell vorhandene Tagessymptomatik. Zunehmend von Bedeutung ist die Stuhlanamnese, da oft ein kombiniertes Urin-Stuhl-Entleerungsproblem (sog. Eliminationssyndrom) vorliegt. Eventuelle Vorerkrankungen sowie Sozial- und Familienanamnese runden diesen diagnostischen Schritt ab.

2. Blasentagebuch (Miktionsprotokoll)
Dieses Tagebuch ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Diagnose und wird vom betroffenen Kind gemeinsam mit den Eltern über einen Zeitraum von mindestens 48 Stunden geführt. Es enthält Menge, Zeitpunkt und Art der Flüssigkeit die zugeführt sowie wann und wie viel Harn ausgeschieden wird. Weiters wird dokumentiert, wann das Kind ins Bett geht bzw. aufsteht. Die aktuellen Empfehlungen schließen auch Darmentleerungen mit ein. Hier können Sie das Tagebuch herunterladen und bereits ausgefüllt zum Arzt mitnehmen.

3. Körperliche Untersuchung
Bei der klinischen Untersuchung geht es darum, etwaige Veränderungen im äußeren Genitalbereich zu erkennen (z.B. Verengung der Vorhaut oder der Harnröhre etc.). Oft kann am Unterbauch eine pralle Blase oder ein stuhlgefüllter Darm getastet werden. Überdies ist die Inspektion des Rückens nötig, um eventuell vorhandene neurologische Zeichen (zwiegespaltener Wirbelbogen, med. Spina bifida occulta) festzustellen bzw. auszuschließen. Ebenso werden die wichtigsten Reflexe sowie die Sensorik überprüft.

4. Urindiagnostik
Anhand einer Urinprobe kann festgestellt werden, ob eine bakterielle Infektion vorliegt und mögliche Ursache für das Einnässen sein kann.

5. Ultraschall (Sonografie)
Bei einer Ultraschalluntersuchung können körperliche Fehlbildungen ausgeschlossen werden. Die Sonographie des Harntraktes liefert wichtige Informationen über etwaige Veränderungen im Bereich der Nieren und Harnwege sowie über die Blase selbst und ihr Speichervolumen. Eventuell wird auch eine Restharnbestimmung (Urinmenge, die nach der Entleerung in der Blase zurück bleibt) vorgenommen.

Weiterführende Diagnostik
Konnte man nach der Basisdiagnose noch zu keinem eindeutigen Ergebnis gelangen, stehen (meist in einer spezialisierten Ambulanz) noch zahlreiche weitere Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Bei der überwiegenden Mehrheit der Kinder kommt man mit der Basisdiagnostik gegebenenfalls kombiniert mit einer harmlosen und völlig schmerzfreien Flow-EMG (Untersuchung des Harnflusses bei der gleichzeitig die Beckenbodenaktivität beobachtet wird) aus. 

Univ.-Prof. Dr. Christian Radmayr, FEAPULeiter der Abteilung für Kinderurologie an der Medizinischen Universitätsklinik Innsbruck(http://www.kinderurologie.at/)Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Club Mondkind

Literatur beim Verfasser