Behandlung je nach Ursache

Die WHO klassifiziert Bettnässen als behandlungswürdige Krankheit. Die Behandlungsmethoden sind vielfältig und werden nach medizinischer Abklärung individuell nach Alter und Symptomatik sowie vor allem ursachenorientiert vom Arzt entschieden. Die nachstehenden Informationen verstehen sich deshalb nicht als Therapieempfehlung!

Oft ist eine Kombinationstherapie bestehend aus Medikamenten und Verhaltenstherapie sinnvoll und notwendig. Berücksichtigt werden muss auch, dass pro Jahr etwa 15% der Kinder spontan trocken werden. 



Medikamtentöse Therapie

Desmopressin (u.a. Minirin®)
Desmopressin wird eingesetzt, wenn der Enuresis eine zu hohe nächtliche Harnproduktion bei normaler Blasenkapazität zugrunde liegt. Im Vergleich zur Alarmtherapie zeigt sich mit dieser Therapie ein rascherer Erfolg. Meist kann schon innerhalb weniger Tage eine deutliche Verbesserung erreicht werden.

Der Botenstoff ADH (antidiuretisches Hormon) bewirkt beim gesunden Kind, dass nachts weniger Harn gebildet wird als tagsüber. Desmopressin ist ein synthetisch hergestelltes ADH und gleicht den ADH-Mangel aus, bis der Körper selbst in der Lage ist, ADH in ausreichender Menge zu produzieren.

Die Therpie muss konsequent gegeben werden (mind. drei Monate, im Schnitt ca. sieben Monate). Zugelassen und angewendet bei Bettnässen sind die moderne, kinderfreundliche orale Schmelztablette (Melt- von der europäischen Gesundheitsbehörede EMEA empfohlen / die Melt wird im Vergleich zu "normalen" Tabletten ohne Flüssigkeit eingenommen, da sie sich blitzschnell im Mund auflöst) sowie die Tablette (Achtung: Die alte Desmopressin-Form als Nasenspray ist in Europa in der Therapie des Bettnässens nicht mehr zugelassen!).

Bei sachgemäßer Anwendung sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. Nebenwirkungen können nur durch Anwendungsfehler auftreten - insbesonders, wenn dauerhaft vor dem Schlafengehen zuviel Flüssigkeit eingenommen wird (empfohlene Trinkmenge während der Therapie: abends nicht mehr als 200ml = ca. ein Viertelliter). Laut Auskunft der Behörden gab es in Österreich bislang keinen einzigen gemeldeten Fall einer Nebenwirkung durch Desmopressin-Schmelztabeltten (Melt). Diese Therapie ist also eine sehr sichere.


Anticholinergika (u.a. Ditropan®, Detrusitol®)
Anticholinergika unterdrücken gezielt die Wirkung des körpereigenen Botenstoffes Acetylcholin, der für das Zusammenziehen des Blasenmuskels, also für die Entleerung der Blase, zuständig ist. Sie vergrößern dadurch auch das Aufnahmevermögen der Blase und führen bei gezieltem Einsatz mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer deutlichen Besserung der Symptomatik.


Verhaltenstherapie
Wichtigstes Prinzip dabei ist es, dem Kind Verantwortung zu überlassen und ihnen zu ermöglichen, den Behandlungserfolg selbst zu kontrollieren. Positive Motivation und entsprechende Belohnungen (z.B. für die Einhaltung der Therapieempfehlungen) sind dabei ganz wesentlich für den Erfolg. Instrumente der Verhaltenstherapie sind neben der Motivation, das Führen eines Blasentagebuches (Miktionsprotokoll), Blasentraining, Änderung des Trinkverhaltens (Hauptflüssigkeitszufuhr in der ersten Tageshälfte) und klassische Konditionierung (Alarmsysteme und Weckapparate).


Alarmtherapie
Die Alarmtherapie ist ein durch entsprechende Literatur und Studien gut abgesichertes Behandlungsinstrument und wird eingesetzt, wenn die Ursache an einem zu geringen Fassungsvermögen der Blase bei normaler nächtlicher Harnproduktionbzw. bei verminderter Aufwachfähigkeit liegt. Wichtig ist dabei, die entsprechende Motivation und vorausgehende Einschulung der betroffenen Familie.

Ein Sensor in der Unterhose sendet ein Signal an einen Funkwecker, der einen akustischen (es sind auch Modelle mit Vibration erhältlich) Alarm auslöst, wenn die ersten Tropfen Urin fließen. Das Kind wird aufgeweckt und kann zur Toilette gehen. Es lernt durch diese Konditionierung schon während der Blasenfüllung die Blasenkontraktion zu unterdrücken und noch vor dem Einnässen aufzuwachen. Da der Alarm bei schwerer Erweckbarkeit das Kind meist als letztes aufweckt, hat es sich bewährt, dass am Anfang der Therapie ein Familienmitglied den Wecker zu sich nimmt und bei Alarm das Kind "vollständig" (das Kind muss sich am nächsten Tag erinnern können) aufweckt und zur Toilette führt. Anfangs ist das meist ein Lernprozess für Eltern und Kind.  Nach kurzer Zeit sollte sich diese Prozedere aber einspielen. Nach 3-6 Wochen wird das Kind leichter weckbar. Nun kann es die Verantwortung für die Behandlung selbst übernehmen und bekommt den Wecker.

Die Therapiedauer beträgt  zwischen 2 und 6 Monaten. Diese Form der Behandlung erfordert zwar Geduld, die Rückfallquote ist jedoch niedrig: Die Erfolgsraten liegen bei 80% der behandelten Kinder. Alarmtherapie: "Tipps für die Anwendung von Schwester Siegi Gratzl" 
Mehr Information "hier


Kombinationstherapie Alarm + Desmopressin
Liegt sowohl eine verminderte Blasenkapazität als auch eine erhöhte nächtliche Urinproduktion vor, werden Therapien auch kombiniert eingesetzt: z.B. Desmopressin + Alarmtherapie


Antidepressiva
Antidepressiva wurden früher relativ häufig verwendet, sind heute nicht nur auf Grund der zum Teil massiven Nebenwirkungen, die sogar einige Todesfälle verursacht haben, praktisch obsolet.


Laserakupunktur
Die Laserakupunktur stellt eine sinnvolle, schmerzfreie Behandlungsmaßnahme bei Kindern mit therapieresistenter monosymptomatischer primärer Enuresis nocturna dar, die das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten erweitert. Zusätzlich zur medikamentösen oder Alarmtherapie macht Akupunktur also Sinn. Studien zeigen, dass die Therapie unter anderem dadurch punktet, dass eine regelmäßige enorme Zuwendung (durch den Arzt) erfolgt.

Ergebnis einer Untersuchung an 24 (22 Jungen, 2 Mädchen) Kindern im Alter zwischen 5 und 12 Jahren mit einer klassischen primären Enuresis nocturna, die erfolglos schulmedizinisch therapiert wurden. Über 3 Monate erfolgte einmal pro Woche eine Laserbehandlung. Eine Verbesserung der Enuresisfrequenz wurde bei 21 von 24 Kindern (87,5%) erzielt. Vor Ende der 12. Behandlung sind 6 von 24 Kindern (25%) vollständig trocken. 16 von 24 Kindern (66,6%) wiesen nach der 12. Behandlung eine Verbesserung der Symptomatik mit mindestens einer Halbierung der Enuresisfrequenz auf.


Biofeedback
Im Rahmen einer Biofeedback-Behandlung werden die Körperwahrnehmung sowie die Blasenkontrolle verbessert und die entspannte Blasenentleerung trainiert. Biofeedback ist in der Lage, die verschiedenen Aspekte der kindlichen funktionellen Blasenentleerungsstörung als Gesamtes zu erfassen, um den betroffenen Kindern und deren Familien die optimale Therapie anbieten zu können. Ein derartiges Behandlungsangebot ist sehr zeit- und personalintensiv und bedarf speziell geschulter Urotherapeuten – ein Berufsstand, der offiziell in Österreich noch nicht existiert.


Im Endeffekt ist es wichtig, die verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten mit all ihren Vor- und Nachteilen mit dem behandelnden Arzt zu besprechen und gemeinsam zu einer für die Familie tragbaren Entscheidung zu kommen.

Univ.-Prof. Dr. Christian Radmayr, FEAPU
Leiter der Abteilung für Kinderurologie an der Medizinischen Universität Innsbruck
(http://www.kinderurologie.at/)
Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Club Mondkind

Literatur beim Verfasser